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Jahreshauptversammlung

Unsere Jahreshauptversammlung findet nicht am 10. März statt, wie auf Seite 2 des Rundbriefes zu lesen ist, sondern am 6. März!!

Interview des NABU-Vorsitzungen zum Verhältnis zwischen NABU und Landwirten

Das Schweigen der Schweine

WELT – Hans Zippert – 19.1.2020:
SATIREZIPPERT ZAPPT

 

Das Schweigen der Schweine

 

Statt immer die Bauern oder Verbraucher zu kritisieren, wenn es ums Tierwohl geht, sollte man eine Dimension nicht aus den Augen verlieren: die Tiere selbst. Sie äußern sich einfach nicht.

Wie lassen sich die Lebensbedingungen von Schlachtvieh verbessern, ohne dass sich irgendetwas ändert? Vor dieser Frage steht Agrarindustrieministerin Julia Klöckner seit Beginn ihrer Amtszeit.

 

Gerne würde sie den todgeweihten Tieren irgendwie helfen, und sei es durch Zufütterung mit Tierwohlaufklebern, aber alle Maßnahmen müssen freiwillig sein.

Auf die Schweine, Rinder und Hühner darf kein Zwang ausgeübt werden, das führt zu Stress und damit zu erhöhter Stresshormonausschüttung, was die Qualität der Ware erheblich mindern würde.

Klöckner erhält keine Rückmeldung

Das kann nicht im Sinne der Tiere sein, die natürlich alle gerne bestes Fleisch liefern wollen, denn dafür leben sie. Die Ministerin ist dagegen, dass der Schwarze Peter am Ende immer den Viehhaltern oder gar den Verbrauchern zugeschoben wird.

Damit macht man es sich zu einfach. Die Entscheidung liegt bei den Tieren, und da kamen bisher leider nur sehr wenige Rückmeldungen. Das findet Klöckner schade, aber wenn die Schweine partout keine Veränderungen wollen, dann kann auch die Politik nichts ausrichten.

 

Zum Vogel des Jahres (Herrmann Löns)

 

Die Turteltaube

 

In das Brachtal ist der Frühling gekommen; Farben und Töne brachte er mit. Auf den Wildkirschenbäumen liegt es wie Schnee, am Bach entlang leuchtet es wie Gold, des Hügels Abhang ist himmelblau und rot schimmert es am Rain. Fink und Amsel, Drossel und Star, die zuerst hier das Wort führten, haben Gesellschaft bekommen. Über dem Bach ertönt das Gezwitscher der Schwalben, Laubvögel und Grasmücken sin­gen im Gebüsch, auf der Trift schmettert der Pieper, und im Weidicht schlägt die Nachtigall. Noch viele andere Vögel singen und schwatzen hier, Braunelle und Rohrsänger, Meisen und Ammern, der Specht trommelt, und der Häher plaudert, der Turmfalke kichert, und der Bussard schreit, doch bis gestern fehlten noch zwei Sänger absonderlicher Art, die Bauchredner der lustigen Truppe.

 

Gestern morgen aber klang zum ersten Male wieder des Kuckucks Ruf laut durch den Schälwald, und kaum hatte er geru­fen, erscholl ein lautes Schnurren aus der Krone der Wildkirsche, das unten in den Kopfweiden Widerhall fand und von dem Bir­kengehänge ein Echo erhielt, und nun schnurrte es hier und schnurrte es da, hörte auf, setzte wieder ein, und flinke Vögel stie­gen über die Fichtenschonung, kreisten und schlugen die Flügel zusammen, dass es klatschte und knallte.

 

Jetzt erst ist das richtige Leben im Tale, denn die Turteltauben sind da. Wenn auch die anderen Vögel noch so schön singen und pfeifen, ohne das zärtliche Girren, ohne das tosende Gurren, ohne das fröhliche Klatschen wäre es nur halb so lustig hier im buschigen Wiesenbachtal. Der Ruf der Ringeltauben tönt zwar vom Fichtenwald bis hierher, und auch ein Hohltäuber läßt sein dump­fes Heulen aus dem alten Eichenüberhälter erschallen, aber so viel Leben wie die Turteltauben bringen beide nicht in das Tal, und nur ihr Schnurren vermag diese behagliche Stimmung zu erzeugen, die zum Frühling gehört wie der Schlüsselblume Prangen und des Zitronenfalters Leuchten.

 

Sie ist der Vogel des Lichtes, der Vogel der Sonne. Wo der hohe Fichtenwald düstert und im Dämmerlicht der alten Buchen, da gefällt es ihr nicht. Sonne will sie haben und den jungen Busch, wo das Licht bis auf den Boden fallt und aus dem kupferfarbenen Laub die silbernen Windröschen hervorlockt, die goldenen Schlüsselblumen, die blauen Lederblümchen und die bunten Lungenblumen. Bunt muß das Gelände sein, soll es der Turtel­taube gefallen, Feld und Wiese muß es haben und munteres Was­ser.

 

Denn bunt ist sie ja auch, die kleinste unserer Tauben. Schmückt sie auch nicht der Perlmutterkragen wie die Ringel­taube, fehlt ihr auch das goldgrüne Halsband, das die Hohltaube ziert, mit der schwarz-weiß gemusterten Halszier, der dämme­rungsroten Brust und dem abendblauen Nacken ist sie bunt ge­nug, und die schön schwarz geflammten rostbraunen Flügel­decken und den weißgesäumten Keilschwanz haben die anderen Tauben nicht aufzuweisen. Und solche flinken Flieger wie sie sind sie auch nicht. Sie aber schwenkt durch die dichten Stangen des Schälwaldes und biegt durch das verworrene Astwerk der Fichten, und wenn sich ihr Balzflug auch nicht so würdig ausnimmt wie der der Ringeltaube und der Hohltaube, auf Würde gibt sie nichts, ihr genügt es, hübsch und niedlich zu sein.

 

Das ist sie auch. Mit klingendem Flügelschlag stiebt die Taube aus dem Ufergebüsch und fällt da in der Fichtenschonung ein, wo die Sonne am wärmsten scheint. Leise schwankt der Ast auf und ab. Die feuerroten Augen blicken hin und her, nach rechts und links dreht sich der zierliche Kopf. Leise kichernd schiebt sich die Taube den Ast entlang, mitten in die Sonne hinein. Ihre blutroten Füßchen glühen wie Korallen. Das Schnäbelchen zupft hier, zupft da, ordnet die rötlich-grauen Brustfedern, die aschgrauen Federn des Rückens, sie spreizt die Flügel, fächert den weißgekanteten Schwanz und sitzt dann glatt und sauber und sonnt sich. Rechts von ihr schnurrt es dumpf und zärtlich. Da sitzt ein hübscher Täuber und sagt ihr, wie wunderschön er sie finde. Und immer zärtlicher schnurrt ei; immer länger wird sein sonderbares Lied, und sie drückt das Köpfchen und dreht sich und wendet sich, und da flattert er heran und nimmt bei ihr Platz. Noch zärtlicher, immer verliebter schnurrt er, aber da kommt es klingend heran­gestrichen, ein zweiter Täuber erscheint, stößt mit girrendem Laut den Verliebten von dem Ast und will seine Stelle einneh­men, als ein dritter naht und es mit ihm so macht wie er mit dem ersten. Nun hat die Taube die Wahl zwischen drei Verehrern. Ein fröh­liches Minnespiel beginnt. Sie flattert voran, die drei Verliebten folgen ihr. Einer wagt es und fällt schnurrend bei ihr ein, aber so­wie er ihr zu nahe rückt, hat er von seinem Nebenbuhler auch schon einen Schubs und rettet sich verdutzt auf den nächsten Zweig. Stolz steigt der Sieger in die Luft, klatscht sich selber Bei­fall und umschwebt in schönem Kreise die Holde, und ermutigt von ihren zärtlichen Blicken, läßt er sich bei ihr nieder und wird zudringlich. Das ist dem dritten Täuber zuviel, wütend kommt er herangeklingelt, jagt den anderen fort und nimmt dessen Stelle ein, aber auch er muß wieder weichen, denn der erste vertreibt ihn, und eine Stunde lang geht das lustige Spiel hin und her, bis es Zeit wird, zu Felde zu fliegen.

 

Alles hat seine Zeit, auch die Liebe, das ist der Turteltauben er­stes Gesetz. Ist die Stunde da, dann hört das Schäkern und Kosen auf, und die Magenfrage drängt die Bedürfnisse des Herzens zurück. Von allen Seiten fliegt es aus dem Buschwalde zu Felde. Auf dem großen Brachacker sammeln sich alle Turteltauben. Viele Male kreisen sie, fallen ein, fahren empor, kreisen wieder, lassen sich abermals herab, und wenn sie auch redlich bei der Fut­tersuche sind, alle Augenblicke flattert eine hoch und äugt umher, ob nicht ein Feind sich nahe, und wenn sie auch noch so eifrig bei dem Suchen sind, immer richten sie sich hoch und spähen aus dem Gekraute hervor.

 

Vielerlei ist auf der Brache zu finden, was ihren Schnäbeln paßt. Da liegen allerlei Samenkörner, große und kleine, die am Keimen sind. Wären die Turteltauben nicht, so könnte der Bauer der Ackerdistel nicht Herr werden. Aber eins nach dem anderen der schmalen Samenkörnchen verschwindet in den zierlichen Schnäbeln, und auch die Samen von Quecke und Hederich wer­den aufgenommen und noch von vielem anderen Unkraut, das dem Landmann Ärger und Sorge bereitet. Aber auch so manche kleine Raupe wird verspeist und jede Ackerschnecke, und selbst kleine Schnirkelschnecken mit derben Gehäusen werden nicht verschmäht und wandern in Kropf und Magen. Planmäßig rücken die Tauben voran, jeder Zollbreit des Bodens wird von den roten Augen abgesucht, eilig trippeln die rosigen Füßchen voran, und unaufhörlich picken die schwarzen Schnäbelchen.

 

Endlich ist ein Täubchen satt und fliegt zu Holze. Eine andere folgt und immer wieder eine. Hier und da schnurrt es im Holze wieder, doch ist das nur ein Zwischenspiel. Noch ist für die Liebe die Zeit nicht wieder da, denn erst ist eine andere Angelegenheit zu erledigen. Da, wo die alten Eichen sich über dem Bach erheben, ist ein flaches, toniges Ufer. Sonderbar genarbt ist der Schlamm. Das haben die Füße der Turteltauben getan. Vorsichtig nähern sie sich der Tränke. Rund umher sitzen sie im Unterholz und warten, wenn auch ihr Durst noch so groß ist. Endlich flattert eine zu Bo­den, äugt lange umher, trippelt an den Bach, äugt noch einmal und steckt den Schnabel in das Wasser, in langen Zügen die Labe ein­ziehend. Eine zweite kommt und eine dritte, eine streicht ab, und wieder eine fliegt herbei und erquickt sich. Da raschelt ein Reh im Uferschilf, und mit warnendem Flügelgeklatsche stiebt die ganze Gesellschaft von dannen. Still ist es jetzt im Walde. Ab und zu schnurrt einmal ein allzu arg verliebter Täuber, aber dann rückt auch er sich wieder zurecht und verdaut. Dann aber wird der ganze Wald wieder laut von dem zärtlichen Geschnurre, und hier und da und dort treiben die Täu­ber die Tauben, steigen laut klatschend über den Busch, schweben zierlich dahin, lassen sich auf den Spitzen der Fichten nieder, schnurren lange und laut, jagen die Nebenbuhler fort und werben um Liebe, bis wieder die Stunde zum Feldflug da ist und der Wald wieder stille wird. Noch einmal finden sich die Tauben an der Tränke zusammen, verträumen noch eine Verdauungspause, und wenn der Sonne schräge Strahlen die Fichten in rotes Licht hül­len, dann schnurren sie wieder eintönig, bis sie im dichtesten Fichtengeäst, wo der Kauz sie nicht fassen kann, sich bergen und die Köpfe im Gefieder verbergen.

 

Ein herrliches Leben ist es im Wiesenbachtal, auf dem Felde und im Busch, und nur wenn der Sperber sich blicken läßt, ist es still. Schlägt er auch einmal eine Taube, es bleiben noch genug übrig, um das Tal mit lustigem Leben zu erfüllen, und die Nester sind so sorgfältig versteckt, daß die Dorf jungen sie nicht finden. Denn so frei und offen die Turteltaube auch lebt, am Nest ist sie heimlich wie ein Laubvögelchen. Im dicksten Gewirr der Fichten­zweige, im verworrensten Geflecht der Jungeichen oder dort, wo des alten Weißdorns Äste ein undurchdringliches Verhau bilden, steht es. Liederlich genug ist es freilich, denn auf andere Künste als auf die Bauchrednerei versteht sich das Täubchen nicht. Aber es genügt für die beiden weißen Eier und für die kurze Zeit, da die Jungen im Nest hocken, denn sobald die Schwungfedern durch­brechen, flattern sie schon in den Busch.

 

Wenn die Taube nur einmal brütete, nähme sie es mit dem Nestbau wohl genauer. Aber kaum, daß eine Brut beflogen ist, dann wird schon wieder gebaut. So hat die Taube nicht gerade sehr viel vom Leben. Kaum ist sie am Brutort, so sitzt sie auf den Eiern, und wenn ihr der Tauber auch beim Brüten etwas hilft, die Hauptmühe hat sie doch. Dafür unterhält er sie aber auch auf das schönste mit seinem Geschnurre, und wenn die Kleinen da sind, füttert er eifrig mit, die ersten Tage mit dem eigens zu diesem Zweck hergestellten Kropfkäse und hinterher mit im Kropf er­weichtem Futter. Und so wachsen die Jungen und blühen und ge­deihen und entwickeln sich aus kleinen piepsenden Scheusälern zu hübschen Täubchen, die eng zusammengedrückt im dichtesten Laub hocken und auf den Vater und die Mutter warten, bis sie beide nicht mehr nötig haben und sich selbst trippelnd und kopf­nickend auf dem Felde ernähren können.

Das wird ihnen leicht. Im Felde klingen die Sensen, und die Au­gustsonne prallt auf die Roggenstoppel. Das aber ist der Tauben Erntefeld. Da schimmern überall die ausgefallenen Körner, und von den Raden und Tremsen, Klingelwicken und dem anderen Unkraut liegt so viel Samen umher, dass die allerdümmste Jung­taube kaum zu suchen braucht, um satt zu werden. Allerdings er­wischt manche der Sperber, der Strauchritter, wenn sie allzu arg­los über das freie Feld fliegt, und stumm, ohne einen Klagelaut, ergibt sie sich in ihr Schicksal. Die übrigen aber leben einen guten Tag nach dem andern in Feld und Busch, und gefällt es ihnen hier nicht mehr, so suchen sie sich eine andere Stätte.Wenn aber die Herbstseide über das Feld segelt und die Schwal­ben in langen Reihen auf den Telegraphendrähten sitzen, dann treibt es die Turteltauben zum Süden, und in Ölbaumhainen und Palmenwipfeln verleben sie die Zeit, da ihr Brutbusch im Norden kahl und öde und die Wiesen im Bachtal fahl und traurig sind.

Der Vogel des Jahres 2020, die Turteltaube